Zürich Reloaded

March 2019

In der März-Ausgabe von VINUM ist die Winzerei zur Metzg mit dabei als einer von fünf Protagonisten aus dem Zürcher Weinland:

Bonvivant Patrick Thalmann bringt Schwung, Witz und Savoir-vivre in die noch immer etwas zwinglianisch-nüchtern anmutende Zürcher Weinszene. Erfrischend bodenständigen Zeitgeist verkörpern allein schon seine Labels, auf denen sich Metzgermesserchen und Schweinchen tummeln. Der Name seines Projektes «Winzerei zur Metzg» erinnert übrigens an seine ersten provisorischen Keller-Räumlichkeiten, die zuvor als Metzgerei dienten. Heute residiert der 44-Jährige in einem Gewerbebau in Marthalen, in dem englische Geschäftsleute früher Socken produzieren liessen. Thalmann empfängt seine Gäste hier an einer acht Meter langen, schwarzen Marmorbar, die sich in jedem 5-Sterne-Hotel gut machen würde. «Ein Abbruch-Objekt, das Ding stand im Zürcher Kongresshaus dem Umbau im Wege», sagt er. Der «mittelalterliche» Jungwinzer aus dem Winzerdorf Ossingen studierte Betriebswirtschaft und arbeitete lange Zeit bei einer Zürcher Bank im Fondsmanagement.

Zum Wein kam er im Militär: «In der Ausbildung zum Quartiersmeister besuchten wir eine Weinverkostung, da hat’s mich erwischt.» Er wurde Weinfreak und Sammler von Spitzen-Crus. 2009 folgte der finale Schritt. Er kelterte seine ersten eigenen Weine, zuerst noch als Hobbywinzer, doch 2013 verlieh er seinem Projekt eine professionelle Struktur. Heute bewirtschaftet er in Benken rund 0,8 Hektar in eigener Regie und kauft im Zürcher Weinland noch Trauben von weiteren 2,3 Hektar dazu. Seine Top-Crus tragen den schweinischen Namen «Borstig’ Kerl».

Das passt, denn wie alle grossen Weine zeigen sich die Topgewächse (mit Naturhefen vergoren und unfiltriert abgefüllt) in ihrer Jugend in positiver Weise etwas sperrig, offenbaren aber gerade dadurch ihr Entwicklungspotenzial. Beeindruckend ist vor allem der stets massgeschneiderte Holzeinsatz. Schon der «Bunte Hund», ein Müller-Thurgau, spontan vergoren und zwei Jahre im Holz ausgebaut, verspricht ein völlig neues, edles, komplex, trinkiges Müller-Thurgau-Feeling, vor allem seit dieser Wein ab dem Jahrgang 2016 völlig trocken ausgebaut wird.

Seine beiden «borstigen Kerle» sind Grands Crus wie aus dem Bilderbuch, vielschichtig, animierend, mit frischer Würze und säurebetontem Schmelz. Das gilt für den Pinot (besonders für die Topselektion Borstig’ Kerl Selektion Kirschberg 2015), vor allem aber auch für den maischenvergorenen Räuschling, der mit Saft, Kraft und viel Rasse an einen burgundischen Top-Cru erinnert.

Auch Thalmann variiert gekonnt die Stilistik. Denn während er bei seinen Prestige-Crus alle Register zieht, kommen seine Einstiegsweine wie der «Red» oder der «Junior» mit süffig-gefälliger Fruchtsüsse daher. Nicht zuletzt ist Thalmann auch ein begnadeter Selbstdarsteller, Unterhalter und Gastgeber. Das zeigt sich etwa bei seiner alljährlichen «Wulesau-Metzgete» auf der geschichtsträchtigen Rütli-Wiese oder seinen Wine Battles, bei denen er mit seinen Weinen im Rahmen eines Wine & Dine gegen andere Spitzenwinzer antritt, etwa das gewichtige burgenländische Urgestein Johann Schwarz...

VINUM 3/2019: www.vinum.eu

Text: Thomas Vaterlaus

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